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Ergebnisse

Mobil sein geht auch ohne Auto – Ergebnisse der Mobilitätswoche in Stadt und Landkreis Nordhausen

In unserer „Mobilitätswoche“ vom 13. bis 17. September 2021 konnten Bürgerinnen und Bürger sowie Besucherinnen und Besucher des Landkreises erleben, was eine Veränderung des Angebotes im Öffentlichen Personennahverkehr bewirken kann: ohne Auto kostengünstig und flexibel unterwegs sein! Neben einem erweiterten Fahrplan mit abendlichen Zusatzfahrten auf den Buslinien 20, 27 und 241 boten die Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH ein vergünstigtes Sonderticket für „1 Euro“ je Fahrt in ihrem Tarifgebiet an. Die nun vorliegende erste Auswertung der Ergebnisse zeigt keinen eindeutigen Trend auf:

Sonderticket

Das 1-€-Ticket wurde in der Mobilitätswoche gut angenommen (vgl. Tabelle 1). Es konnten knapp 2.500 im Bereich des Nordhäuser Stadtverkehrs und ca. 1.800 im Regionalverkehr verkauft werden. Damit liegen die Verkaufszahlen an Fahrscheinen insgesamt über dem Durchschnitt (Referenzwoche Juni 2021) aber das Vorpandemie-Niveau konnte noch nicht erreicht werden. „Wir gehen davon aus, dass Fahrgäste, die den ÖPNV sonst eher selten nutzen, das Angebot nun vermehrt genutzt haben. Dabei zeigt eine statistische Tendenz, dass das 1-€-Ticket anstatt Einzelfahrten oder 4-Fahrten-Karten gekauft wurde. Die Steigerung der Ticketverkäufe lag mehr im Regionalverkehr, da hier die höchste Einsparung gegenüber dem Normaltarif zu erzielen waren. Zudem werden Menschen, die normalerweise den Öffentlichen Nahverkehr nicht nutzen Gebrauch von dem Angebot gemacht haben, was sich auch auf die Steigerung der Ticketverkäufe ausgewirkt hat. 

Zusätzliches Fahrplanangebot

Das verstärkte Fahrplanangebot in den Abendstunden, welches vor allem auf den Kultur- und Freizeitverkehr ausgerichtet war, wurde jedoch eher verhalten angenommen. Hier waren im Schnitt durchschnittlich 2 bis 3 Nutzer/innen je Fahrt unterwegs. Gründe hierfür könnten der kurze Zeitraum der Aktion, die derzeit noch veränderten Verhaltensweisen in Punkto individueller Mobilität sowie mögliche begleitende Kulturveranstaltungen vor Ort vor dem Hintergrund der Pandemie sein. Festzustellen bleibt, dass die Mobilitätswoche mit den Aktionen eines verbilligten Tickets und des erweiterten Fahrplans das Thema Mobilität und ÖPNV stärker in den Mittelpunkt gerückt hat, aber der Angebotszeitraum für belastbare Aussagen oder das Ablesen von erkennbaren Tendenzen zu kurz war.

„Bus-Gespräche“

An drei unterschiedlichen Orten im Landkreis (Bleicherode, Heringen/Helme und Nordhausen) konnten die Menschen im Rahmen von „Bus-Gesprächen“ ihre Sicht genauso wie ihre Ideen zum Öffentlichen Nahverkehr einbringen.

Es kristallisierte sich dabei ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen Standorten heraus. So wurden am Wochenmarkt in Bleicherode mehrheitlich Personen angetroffen, die bereits Nutzer von Bus und Bahn sind und die derzeitigen Fahrpreise als angemessen empfinden. Im Gegensatz dazu wurden auf dem Supermarkt-Parkplatz in Heringen/Helme vermehrt Gespräche mit Nichtnutzern des ÖPNV geführt, die einen negativen Eindruck, inkl. zu hoher Fahrpreise, haben. Am dritten Standort auf dem Bahnhofsplatz in Nordhausen war das Bild sehr gemischt und die Anteile zwischen denen, die den ÖPNV bereits in ihren Alltag integriert haben, und denen die auf individuelle Mobilität mit dem Auto setzen in etwa gleich. Auch wenn einige Personen von den Vorteilen des ÖV überzeugt werden konnten und diese versprachen den Umweltverbund in Zukunft mehr für ihre Fahrten zu nutzen, schien der Großteil der Befragten an allen Standorten sehr gefestigt in ihrer Meinung zum ÖPNV zu sein. Das heißt, entweder waren sie enthusiastische Nutzer oder überzeugte Nicht-Nutzer des ÖPNV. Hierzu gehört auch, dass die bisherigen ÖV-Anbindungen des Landkreises an die Kreisstadt und die Bemühungen der Verkehrsbetriebe für ein umfassendes und modernes Fahrtenangebot als gänzlich positiv beschrieben wurden. Tangentiale Verbindungen zwischen den einzelnen Orten und Städten des Landkreises und verstärkte Anbindungen an große Arbeitgeber der Region fehlten jedoch vielen Gesprächsteilnehmenden. Auffällig oft wurde genannt, dass die Einrichtung von Werkverkehren zum Erreichen von Tagesrand-Schichten oder eine Ausweitung der Rufbusse eine deutliche Verbesserung darstellen würden.

Es war deutlich wahrzunehmen, dass neuartige, innovative Formen der Mobilität, wie z. B. nachfrageorientierte Fahrten, entfernungsbasierte Fahrpreise oder eine Verknüpfung mit internetbasierten Applikationen, bisher keine große Bedeutung zugemessen wird. Sie könnten in Zukunft dennoch weitere Verbesserungen für die Fahrgäste darstellen. Hier gilt es von den Verkehrsbetrieben weiterhin eine Vorreiterrolle einzunehmen, die gerne angenommen wird.

Mobilitäts-wocheReferenz-wocheVorpandemie-werte Sept 2019 errechnet
StadtLand-kreisGesamtStadtLand-kreisGesamtStadtLand-kreisGesamt
Verkaufte
Fahrscheine
6.9872.0909.0775.6521.0556.7077.6441.6809.324
Mobilitäts-
Ticket
2.4951.7554.250000000
Einzel-
FS
2.8471553.0023.6196714.2905.4351.1116.546
4-Fahrten-
karten
1.4121551.56717033472.0501.9585012.459
Wochen-
karten
174181922072823525069319

Tabelle 1: Verkaufte Fahrscheine Mobilitätswoche und zum Vergleich Referenzwoche 2021 und Vorpandemiewerte September 2019 (Quelle: VBN)

Fotos: © IBA Thüringen

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Mobilitätskonzept – Workshop Radverkehr gab Startschuss für Thema „Radfahren“

Am Samstag, 14. Mai 2022, startete der zweite Teil des gemeinsamen Integrierten Mobilitätskonzeptes für die Stadt und den Landkreis Nordhausen. Bei den einzelnen Themenblöcken sind die Bewohnerinnen und Bewohner aufgerufen, ihre Meinungen und Anregungen im Rahmen von Bürgerbeteiligungsprozessen aufzuzeigen. Nach dem Thema „ÖPNV“ im Herbst 2021, sind die Nordhäuserinnen und Nordhäuser jetzt aufgerufen, über die derzeitigen Stärken und Schwächen sowie die eigenen Wünsche und Möglichkeiten für die Zukunft des Radverkehrs im Stadtgebiet Nordhausen offen zu diskutieren. Hierzu bildete der moderierte Workshop am Samstag im Ratssaal des Nordhäuser Bürgerhauses den Start. Die Ergebnisse werden protokolliert und fließen nach weiteren Diskussionsrunden und nach Abwägung der Belange aller Verkehrsträger am Ende in das Integrierte Mobilitätskonzept für eine stadt- und landkreisverträgliche Mobilität ein.

Dabei brachten die Anwesenden im moderierten Workshop viele Punkte zur Gegenwart und Zukunft zu Papier. Allein 56 Rückmeldungen führten Punkte zu den Herausforderungen des gegenwärtigen Fahrradverkehrs wieder, beispielsweise zu wenig Radwege, kein vollkommen zusammenhängendes Radwegenetz, den Zustand sowie die Ausmaße der Radwege, Konflikte mit Fußgängern bei gemeinsamer Nutzung von Geh-/Radwegen und vieles mehr.

Der folgende „Zeitsprung“ bot erste Ansätze für ein Leitbild eines fahrradfreundlichen Nordhauens 2040. Die artikulierten 36 „Visionen“ beschreiben ein noch nicht abschließendes Bild von der autofreien Innenstadt Nordhausens, von geschwindigkeitsreduzierten Miteinanderstraßen und der gemeinsamen Nutzung der Straßen bei Tempo 30. Darüber hinaus soll in 18 Jahren die Verkehrsinfrastruktur für Räder weiter verbessert werden, d.h. Anbindung des Umlands sowie der Ortsteile an die Kernstadt, gepaart mit durchgängigen Fahrradwegen, Stellplatzanlagen mit erweiterten Angeboten in der Innenstadt (Lademöglichkeiten, Reparaturservice) und Fahrradstellanlagen in den Wohnquartieren. Lastenräder übernehmen dann die Aufgaben des Lieferverkehrs, so die „Visionen“.

Workshop als Startschuss für „Anradeln“ und „Ideenfinder

Direkt im Anschluss gaben Landrat Matthias Jendricke und Bürgermeisterin Alexandra Rieger den Startschuss für die Aktion „Anradeln“. Bei dieser Mitmach-Initiative können Nordhäuserinnen und Nordhäuser auf der Internetseite www.ndhbewegtsich.de ihre geplanten Radfahrten mit Daten, Uhrzeiten und Strecken eintragen und so Mitradlerinnen und Mitradler finden. Vorteile des gemeinsamen Radelns in den Wochen vom 14. Mai bis 3. Juni sind mehr Sichtbarkeit und Sicherheit im Verkehr, der Austausch von Wissen zu Strecken und Radtechnik sowie die Vernetzung untereinander. So sollen sich Gleichgesinnte für das Freizeitradeln oder den gemeinsamen Weg zur Arbeit, Hochschule oder Schule finden.

Gleichzeitig gibt es über einen Ideenmelder auf der Internetseite die Möglichkeit, bei Bedarf Rückmeldungen zur Radinfrastruktur in Stadt und Landkreis zu geben, um so Ansatzpunkte für Verbesserungen aufzuzeigen.

Fotos: © team red und Stadtverwaltung Nordhausen

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